Modernisierung / Instandhaltung
Die Betriebsmittel und Anlagenteile der bestehenden Leitungen und Umspannwerke haben eine Lebensdauer von etwa 40 bis 50 Jahren. Sobald die Lebenshöchstdauer erreicht wird, führt TenneT im Sinne der Versorgungssicherheit einen Komponententausch durch. Auch durch Präventivmaßnahmen in Form von regelmäßigen Inspektionen und bedarfsgerechter Instandhaltung sorgen wir dafür, dass das Netz immer einwandfrei funktioniert und flexibel reagieren kann auf die Anforderungen von heute und morgen.
Netzverstärkung
Die Energiewende verändert die Struktur der Stromerzeugung im deutschen Stromnetz grundlegend. Erneuerbare Energie aus beispielsweise Wind und Sonne wird zunehmend nicht mehr in der Nähe des Endverbrauchers erzeugt und muss daher über immer weitere Strecken transportiert werden. Gleichzeitig nimmt der Strombedarf unserer modernen Welt zu. Vorhandene Netzkapazitäten reichen dabei oftmals nicht mehr aus. Daher ertüchtigen bzw. verstärken wir unser Netz an vielen Stellen, um eine sichere und stabile regionale und überregionale Stromversorgung weiterhin gewährleisten zu können.
Mit dem Entstehen neuer Leitungen geht auch die Modernisierung bestehender und der Bau neuer Umspannwerke einher, denn sie sind die Knotenpunkte der Stromversorgung. Um die neuen Höchstspannungsleitungen mit den lokalen Verteilnetzen verknüpfen zu können, plant TenneT den Bau mehrerer neuer Umspannwerke im gesamten Netzgebiet und modernisiert oder ertüchtigt und erweitert zahlreiche bestehende Umspannwerke.
Netzstabilität
Wenn im Rahmen der Energiewende immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen und durch Strom aus erneuerbaren Energiequellen ersetzt werden, müssen Übertragungsnetzbetreiber alternative Lösungen finden, um die Stromnetze weiter stabil zu halten und gleichzeitig auch mehr Strom zu transportieren. Viele der bestehenden Umspannwerke werden dafür in den kommenden Jahren um Netzstabilitätsanlagen erweitert. Diese helfen dabei, die erheblichen Spannungsveränderungen auszugleichen, die durch die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien vermehrt an den Netzknoten entstehen – und halten damit das Stromnetz auch zukünftig stabil.
Den Ausbau der bestehenden Umspannwerke um Netzstabilitätsanlagen hat die Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan 2021 als Projekt P400 bestätigt.
Die gängigsten Anlagen für mehr Netzstabilität sind die Kompensationsspule, die MSCDN-Anlage (380-kV-Kondensatorbank), der rotierende Phasenschieber und die STATCOM-Anlage (Static Synchronous Compensator).
Rückbau
TenneT baut nicht nur neue Masten oder Umspannwerke für die Energiewende. Bei veränderten Anforderungen werden die Leitungen oder Anlagen nach einem umfangreichen Regelwerk abgebaut. Ziel ist es, die bebauten Bereiche in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Dabei ist ein schonender Rückbau für Mensch und Natur wichtig. Viele alte Masten sind für die steigenden Transportmengen aus Erneuerbaren Energien nicht mehr ausreichend. TenneT reißt sie ab. Allein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden schon mehr als 1000 Masten demontiert, zerlegt und gestaucht, sodass ein 35-Tonnen-Mast in zwei Container passt. So wird er zur Wiederaufbereitung abtransportiert, verschrottet und recycelt. Aber auch Umspannwerke werden zurückgebaut, wenn die Netzsituation sich verändert. Ziel ist es, die bebauten Bereiche in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Leistungserhöhung
Die Übertragungskapazität einer Leitung kann erhöht werden, um mehr Strom zu transportieren. Dadurch werden Netzüberlastungen vermindert und Kosten für die Abregelung von Erneuerbare-Energien-Anlagen eingespart. Die elektrische Leistung (Watt) ergibt sich aus der Stromstärke (Ampere) multipliziert mit der Spannung (Volt). Derzeit werden viele Freileitungen von rund 2000 auf 4000 Ampere je Stromkreis ertüchtigt. Dies gelingt bspw. über die Umstellung von herkömmlichen Leiterseilen auf Viererbündel. Zu den Sofortmaßnahmen zählt die Temperaturüberwachung von Höchstspannungsleitungen, wodurch sich deren Transportkapazität an windreichen Tagen erhöhen lässt. Alternativ können die Leiterseile an den Hochspannungsmasten durch Hochtemperaturleiterseile ausgetauscht werden.
Isolatorentausch
Isolatoren sind ein Bauteil der Elektrotechnik, welche den Stromfluss zwischen elektrischen Leitern verhindert. Im Fall von Strommasten trennen sie die Stromleitung von den Masten. Gelegentlich müssen Isolatoren altersbedingt ausgetauscht werden, auch wenn ein Isolator im Schnitt eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren hat. Ein Isolatorenaustausch erhöht nicht die Spannung einer Leitung und hat keinen Einfluss auf die Stromübertragung.
Generalsanierung
Eine Generalsanierung umfasst den Tausch der stromführenden Leiterseile, den Tausch der Isolatorenketten sowie den Tausch des Blitzschutzerdseiles, das über die Mastspitzen geführt wird.
Standsicherheit (Verstärkung von Masten)
Durch Veränderung externer Einflüsse, wie der Witterung sowie geänderter Normen, kann es notwendig sein, vorhandene Strommasten nachzurüsten. So kann die Standsicherheit erhöht werden. Das bedeutet, dass Fundamente der Masten verstärkt werden. Dies kann beispielsweise durch Tiefbohrpfähle erfolgen.
Stromkreisverschwenkung
Bei einer Stromkreisverschwenkung verändert sich der Verlauf eines oder mehrerer Stromkreise. Dabei wird der betreffende Stromkreis beispielsweise an einem anderen Mast oder an einem anderen Aufhängepunkt aufgelegt (verschwenkt).
Einschleifung eines Umspannwerks (in die Bestandsleitung)
Von Einschleifen spricht man, wenn eine durchgehende Leitung unterbrochen wird, um beispielsweise ein Umspannwerk in diese Leitung einzubinden.
Erdseilarbeiten
Auf jeder Strommastspitze befindet sich ein Erdseil (Blitzschutzseil) zum Blitzschutz. Der Mast kann mit einfacher Spitze oder v-förmig mit geteilter Spitze errichtet werden. Die Montage des Erdseiles ist die letzte Bauphase bei der Errichtung einer Freileitung.
Korrosionsschutz
Unter Korrosionsschutz versteht man Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden an metallischen Bauteilen, wie Stahlgittermasten, die durch Korrosion verursacht werden. Korrosionsschutz ist ein wichtiges Aufgabenfeld, um Bauteile wie Hochspannungsmasten nachhaltig vor Rost zu bewahren und somit ihre Lebensdauer zu erhöhen.